13.02.2020

Doppelvortrag: 'DevOps – mehr Geschwindigkeit auf der Schiene' und 'Ethik, Moral – und Chatbots'

  Carsten Hoffmann, Corinna Schreier

DevOps – mehr Geschwindigkeit auf der Schiene

Nach gut 2 Jahren als Architekturschaffender in einem “You build it, you run it”-DevOps-Team bei der Deutschen Bahn ziehe ich ein Zwischenfazit. Das Ziel am Anfang des Projekts lautete: Eine Cloud-native Plattform für API-getriebene Softwareentwicklung aufzubauen, deren Nutzer andere Java-/JavaScript-Softwareentwickler im Konzern sind. Die im Unternehmen gerade angefangene DevOps-Transformation soll durch unsere Plattform unterstützt werden, um die Geschwindigkeit, in der neue Features den Kunden erreichen, massiv zu erhöhen.

Die Reise beginnt im Reich der Tools und Automatisierung. In diesem Vortrag erfahren Sie, warum sich der erste Ansatz einer zentralen CI/CD-Installation für alle Teams als problematisch erwies und durch dezentrale Pipelines ersetzt wurde. Danach lernen Sie die Tücken unserer Einführung einer eingekauften API-Management-Lösung kennen, und wieso sich der Kauf von großer On-Premise-Software nur schwer mit den agilen Prinzipien vereinbaren lässt. Der Zuhörer lernt zudem, wie wir im Team mit polyglotter Softwareentwicklung zu kämpfen haben und wie wir permanent gegen Wissensinseln ankämpfen. Zuletzt gehe ich darauf ein, wie wir mit umfassender Architekturdokumentation gestartet und gescheitert sind. Unser neuer Ansatz ist eine leichtgewichtige dezentrale Dokumentation mit AsciiDoc und ein im Team abgestimmter Toolstack, der auch vom Zuhörer adaptiert werden kann.

Am Ende der Reise wird der Zuhörer einige Methoden und Tools kennen gelernt haben, um in einem Kontext zu überleben, der an vielen Stellen noch von klassischen Prozessen dominiert wird. Aber eines ist klar: Der Weg Richtung DevOps geht nicht plötzlich, es ist eine Reise mit Umwegen und Hindernissen. Die Reise ist es aber auf jeden Fall Wert!

Ethik, Moral – und Chatbots

Machine-Learning-Module ermöglichen inzwischen ein schnelles und effektives Training von Chatbots im Baukastenprinzip. Auch bei Nutzern finden sie immer mehr Zustimmung. Da verwundert es nicht, dass sie zunehmend auf Unternehmens-Websites zum Einsatz kommen. Trotzdem herrscht bei vielen Unternehmen weiterhin Skepsis. Mehr noch als eine Website repräsentieren Chatbots das Unternehmen und seine Persönlichkeit öffentlich.

Wie kann man also sicherstellen, dass der Chatbot nicht diskriminiert und keine unangemessene Sprache verwendet? Ebenso relevant ist für ein Unternehmen hierbei, wie es mit erhobenen Kundendaten umgehen soll und diese Daten vor Missbräuchen schützt. Wenn man sich nur um die technischen Fragen kümmert und die ethischen Fragen vernachlässigt, bleibt dieses Risiko bestehen und könnte Unternehmen daran hindern, Chatbots einzusetzen.

In meinem Vortrag starte ich mit einer Einführung in die Unternehmensethik und erkläre, warum für Implementierungen von Chatbots heute Integritäts- und Datenschutzprinzipien ebenso wie Unternehmenswerte berücksichtigt werden müssen. Anschließend schauen wir uns anhand realer Beispiele die in diesem Kontext potentiell auftretenden Probleme und mögliche Lösungsansätze an. Anhand dieser zeige ich auf, was es braucht, damit man das Projektrisiko sowohl in der Phase des initialen Chatbot-Trainings als auch in der Nutzungsphase reduziert.

Sprecher

Carsten Hoffmann (@Morl99) ist 2010 als Java Entwickler in seine professionelle Karriere gestartet. Seitdem hat er sich unentwegt mit dem Thema Softwarequalität beschäftigt. Er ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass Teams vor allem dann hohe Qualität liefern können, wenn eine gute „Developer Experience“ in den zur Verfügung stehenden Tools dies einfach macht. Seit 2017 ist Carsten als “programmierender Software Architekt” mit der DB Systel auf die Reise in eine DevOps-Transformation gestartet, und arbeitet dort in einem Plattformteam daran, die Developer Experience für andere DevOps-Teams zu verbessern.

Corinna Schreier (@DasAusgerufene) kommt aus dem Innovationsmanagement und beschäftigt sich daher stark mit Themen rund um Ethik und Digitalisierung. Heute arbeitet sie als Business Development Managerin für die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer LLP und ist dort für den europäischen Financial Institution Sektor verantwortlich. Ihr Linkedin Profil lautet: www.linkedin.com/in/corinna-schreier-894387118/

Eine Veranstaltung des iJUG e.V., organisiert durch die JUG Darmstadt.